The Identity of Being German-Canadian

Elke holds cowbell
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Published with permission from Masters Student: Florie-Anne Guy

UNIVERSITÄT REGENSBURG
Fakultät für Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaft

Masterarbeit

im Studiengang Interkulturelle Europa Studien (IKE)
LE MULTICULTURALISME CANADIEN COMME OUTIL DE RÉAFFIRMATION CULTURELLE :
L!EXEMPLE DES IDENTITÉS GERMANO-CANADIENNES

Identitätsfragen waren schon immer ein zentrales Thema der kanadischen Gesellschaft. Historische Fragen über die Zweisprachigkeit und die kulturelle Repräsentation zwischen Engländern und Franzosen haben die politische Bühne seit Ankunft der auswärtigen Siedler belebt. Als historisches Einwanderungsland ruft Kanada noch bis heute zur Einwanderung auf. So folgen Einwanderer aus der ganzen Welt, über Europa und Amerika, von Asien bis Afrika seinem Ruf.

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Im Herzen der englisch-französischen Kluft versteckt sich eine große, jedoch unbekannte Gemeinschaft: die Deutschkanadier. Nachdem sie im XVII. Jahrhundert nach Neufrankreich kamen, erwiesen sie sich als Loyalisten, mal gegenüber der französischen, mal gegenüber der britischen Krone. Die deutschsprachige Gemeinschaft Kanadas integrierte sich schnell in die beiden Mehrheitseinheiten, behielt aber ihre eigene Identität bei. Im gesamten Land wurden deutschsprachige Kirchen, Schulen, Institutionen und Medien gegründet, um diese komplexe Gemeinschaft mit ihren vielfältigen Ursprüngen zu vereinen. Mennoniten, Mährer, Lutheraner, Katholiken, Österreicher, Schweizer, Russen… Das deutsch-kanadische Mosaik ist auch heute noch ein Träger starker kultureller und sprachlicher Unterschiede.

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Um die Integration von Neuankömmlingen in seinem Hoheitsgebiet zu gewährleisten, hat Kanada eine weltweit einzigartige Politik eingeführt: den Multikulturalismus. Dieser Ansatz wurde in den 1960er Jahren entwickelt und zielte ursprünglich darauf ab, die Traditionen und Folklore jedes Einzelnen hervorzuheben. Nach und nach wurde der Multikulturalismus zu einem Instrument, um Gleichheit zu gewährleisten und Diskriminierung zu bekämpfen. Davon konnte auch die deutsch-kanadische Gemeinschaft profitieren. Denn diese hat während der beiden Weltkriege sehr unter der antideutschen Stimmung gelitten. Dieser Ostrakismus setzte sich nach 1945 fort: So zogen sich die Deutschkanadier weiterhin in einem Opferdiskurs zurück. Dank der Auswirkungen des Multikulturalismus in den 1970er Jahren versteckten sich die Deutschen in Kanada allerdings nicht mehr und ergriffen
mediale und gemeinschaftliche Initiativen, um ihre Kultur wiederzubeleben. Im Rahmen dieser Arbeit wird der Prozess der Neubestätigung der deutsch-kanadischen Identität seit dem Aufkommen des Multikulturalismus in den 1970er Jahren beschrieben.

Diese Reaffirmation bleibt jedoch differenziert zu betrachten. Die Generation, welche vom Multikulturalismus geprägt wurde ist gealtert und der Multikulturalismus ist somit in den nachfolgenden Generationen nicht mehr gesichert. Die deutschsprachigen Medien, welche vor drei Jahrzehnten mit Stolz gegründet wurden, erleben eine Kehrtwende, Gemeinden werden geschlossen und Kirchen verfallen. Die Treffpunkte der deutsch-kanadischen Gemeinschaft scheinen bedroht zu sein. Aber was, wenn wir in Wirklichkeit eine Neudefinition der Identität der Deutschkanadier erleben? Diese Arbeit untersucht daher, wie der Multikulturalismus die Karten der Repräsentation der deutschsprachigen Kultur auf kanadischem Boden neu gemischt hat.
Tatsächlich führt diese Politik durch eine kulturelle und diplomatische Vertretung Deutschlands auf kanadischem Boden auch zu einer aktiveren Zusammenarbeit zwischen Ankunfts- und Herkunftsland der Einwanderer.

Wenn sich Kanada als multikulturelle Nation versteht, gilt dies auch für seine Gesellschaft. Einwanderung ist Teil der kanadischen DNA und viele Kanadier möchten zu ihren Wurzeln zurückkehren. In einem Land, in dem sich fast 10% der kanadischen Bevölkerung als deutschstämmig bezeichnet, kann das wachsende Interesse an der Genealogie über neue digitale Tools eine Brücke zwischen den Generationen bilden. Elke Porter, Gründerin der Website Westcoast German News (WGN), ist Schriftstellerin und engagiert sich in Vereinen der deutsch-kanadischen Gemeinschaft. Sie ist eine Zeugin dieser Generationenlücke, welche sie durch neue, auf digitale Medien ausgerichtete Formate zu überbrücken versucht.

Die deutsch-kanadische Gemeinschaft ist ein komplexes Gebilde, welches in seiner Art einzigartig ist. Sie ist sowohl alt und etabliert als auch fluktuierend und zögerlich. Es waren deutschsprachige dabei, als die ersten europäischen Expeditionen, den nordamerikanischen Boden betraten. Sie sind die Akteure des kanadischen Aufbaus, halten sich aber aus politischen und kulturellen Gründen im Hintergrund. Sie sind Arbeiter, Ingenieure und Unternehmer und helfen Kanada, sich zu entwickeln. Doch diese Anerkennung schwindet und die Deutschkanadier sehen sich mit einer antideutschen Stimmung konfrontiert: Die germanischen Sprachen und Kulturen finden keinen Platz mehr auf dem kanadischen Schachbrett. Der Multikulturalismus ist somit ein konsequenter Rettungsanker für die deutsch-kanadischen Identitäten. Diese Politik markiert zwar einen Wendepunkt in der Rückbesinnung auf diese Identitäten, ist aber ein zweischneidiges Phänomen: Es bringt die Deutschkanadier zwar zurück ins Rampenlicht, repräsentiert diese aber nicht wie zuvor. Nunmehr sehen sich die deutsch-kanadischen Identitäten durch
eine einheitliche, moderne und auf Deutschland ausgerichtete Kultur repräsentiert. Isoliertere Gemeinschaften wie die Mennoniten bilden jedoch eine Ausnahme, da ihre Traditionen davon gestärkt und verteidigt werden, dass sie nach wie vor nach innen gerichtet sind. Die kulturelle Identität der Deutschkanadier hat Zeiten erlebt, in denen sie stark in Frage gestellt wurde.
Hinter den Debatten zwischen Franzosen und Engländern versteckt und später für ihren Beitrag zur kanadischen Nation anerkannt, wurden sie während der beiden Weltkriege aufgrund ihrer kulturellen Nähe zum feindlichen Deutschland von der kanadischen Kulturszene verdrängt. Das Aufkommen des Multikulturalismus begleitet die Deutschkanadier somit auch bei ihrer
kulturellen Neubesinnung.

Diese macht jedoch Platz für eine Generation, welche vom Prinzip des Kanadier-Seins getrieben wird und trotz ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gemeinschaft offen für alle Kulturen ist. Das deutsch-kanadische Erbe überlebt dank individueller und diplomatischer Initiativen. Der Multikulturalismus verankert Kanada in einer Einwanderungsförderung, die dazu beiträgt, dass weiterhin deutsche Einwanderer in das Land kommen. Im Laufe dieser Arbeit werden wir sehen, inwieweit diese Neuankömmlinge Vektoren für den Wiederaufbau neuer deutsch-kanadischer Identitäten sind.

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